Was der Holsteinische Courier außerdem schrieb.

2010 Januar 5
von Canan Basol
Ihre Herkunft macht sie stark

Canan Basol (20) ist eine selbstbewusste junge Frau, die kurz vor ihrem Abitur an der Alexander-von-Humboldt-Schule steht. Sie ist praktizierende Muslimin, hat einen türkischen Vater, eine Mutter, die Tscherkessin ist, und viele deutsche Freunde. „Wir wohnen in Einfeld, wo es mehr deutsche Familien als türkische gibt. Deshalb hatte ich immer das große Glück, die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen und zuhause gleichzeitig etwas von der türkischen mitzubekommen“, sagt sie. Nach ihrem Abitur will sie auf Lehramt studieren, denn „ich will etwas mit Menschen zu tun haben, ihnen Wissen geben und Erfahrungen teilen“. (emd)

“Hilfe aus dem eigenen Kulturkreis”

2009 Dezember 30

Der Holsteinische Courier schrieb am 18.12.09 über uns (Text+ Bild vom Courier übernommen) :

Sahin Sarioglu ist froh, dass ihn Canan Basol unterstützt. Den Kontakt vermittelte Svenja Gruber. Michael Greb und Peter Majewski arbeiten als das "polnische" Tandem zusammen (von links).

Die Gründe, für die beiden Achtklässlern, beim Bildungspartner-Programm mitzumachen, sind verschieden. Aber ihr Ziel ist gleich: Beide wollen einen guten Schulabschluss. Bildungspartner ist ein Projekt der Diakonie, bei dem Lernschwächere von älteren Schülern oder Studenten des gleichen Kulturkreises unterstützt werden (der Courier berichtete).

“Einen guten Schulabschluss zu machen, ist so wichtig für den späteren Lebensweg. Aber Bildung hat noch nicht in jeder türkischen Familie in Deutschland diesen hohen Stellenwert”, erzählt Canan Basol. Sie verdankt es ihrem Elternhaus, dass sie jetzt auf ein Gymnasium geht, um später zu studieren. “Ich möchte meinen Mentis (so nennt sie ihre Schüler) Mut machen, sich Ziele zu stecken und diese auch zu erreichen”, erklärt sie. Der Achtklässler Sahin, ihr Schüler, weiß was er will: “Bankkaufmann werden.” Einmal wöchentlich kommt Canan zu ihm und hilft in Englisch, Naturwissenschaften und Deutsch. Danach hilft sie seiner Schwester.

Auch für den gebürtigen Polen Peter Majewski ist es selbstverständlich, deinen Landsmann Michael zu schulen. “Mir half damals eine Lehrerin, und ich möchte etwas von dieser Chance zurück geben”, erzählt der Lehrer für Integrationskurse bei der Arbeiterwohlfahrt.

Selbstkorrektur zum Thema “Minarett-Verbot”

2009 Dezember 12
von Canan Basol

Betrachet man die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln, so sehe sie jedesmal ganz anders aus. Sagt man. Und es ist tatsächlich so. Das Schauen aus einem anderen Blickwinkel ist der Grund für unsere Entwicklung und auch für Veränderungen von Meinungen, unabhängig davon in welchem Alter man sich befindet.

Ich muss sagen: Meinem Artikel bezüglich des Minarett-Verbots ist zu entnehmen, dass ich gegen dieses Verbot bin! Mehr noch: Dass ich es in keinster Weise verstehen kann! Aber tatsächlich ist dies ein Thema, das ich mir aus verschiedenen Sichten angeschaut und mir viele verschiedene Meinungen angehört habe. Und ich sage ehrlich: Natürlich finde ich das Verbot nicht in der Hinsicht gut, als dass ich sage, die Schweizer dürften über Angelegenheiten abstimmen, die mit Menschenrechten verknüpft sind. Nein! Und in diesen Punkten kann ich meinen Artikel noch immer fett unterstreichen. Aber wisst ihr, was ich mir inzwischen denke!? -Lasst sie doch! Sollen sie tun. Wenn sie meinen, sie könnten Derartiges tun, dann sollen sie es tun! Sich darüber aufregen bringt auch nichts, wobei ich natürlich immer wieder gegen das Schweigen in solchen Dingen bin. Ich finde das Verbot nicht gut, aber es bringt nicht bloß Negatives mit sich: Nun, endlich, wachen wir Muslime mal auf! Seien wir mal ehrlich: Menschen, die sich eventuell nicht mal mit dem Islam in Verbindung sehen würden, die sich grad eben, “zwanghaft”, als Muslime bezeichnen. Wie finden sie dieses Verbot? -SCHLECHT! Und das ist auch gut so! Jetzt sind sie wach.

Die Muslime heutzutage sind nicht mehr das, was man sich unter einem Muslim vorstellt. Sie ruhen sich auf dem, was sie haben, aus. Die meisten Muslime denken sich: “Wir haben überall Moscheen mit Minaretten, wir sind ohnehin die “Mächtigsten” hier, ich trage einen Bart und laufe immer mit einer Gebetskette rum (Frauen denken sich dies mit ihrem Kopftuch). Ah, ich bin sowieso ein toller Muslim. Da brauche ich nur einmal im Jahr in die Moschee gehen und kann machen, was ich will. Uns geht es hier gut!” Fragt man sie, was der Islam für Inhalte besitzt, können sie einem traurigerweise nicht (richtig) antworten.

Aber nun? -Jetzt ist die Moschee aufeinmal so wertvoll und die Minarette dürfen keinesfalls abgeschaffen werden.

Versteht ihr, auf was ich hinaus will?

Wir Muslime schlafen! Und dieses Verbot, so sehr es auch meiner Meinung nach gegen die Menschenrechte spricht, packt uns Muslime grade an den Schultern, rüttelt uns und sagt: Wacht auf!

Dem Thema “Die Muslime ruhen sich darauf aus, was sie haben” ist hinzuzufügen, dass die Muslime leider viel Geld in neue Moscheen mit Minaretts investieren. Klar, ich finde gut, dass wir schöne Moscheen haben, die man sich auch außerhalb der Gebetszeiten gerne anschauen mag, aber muss man dafür so viel Geld ausgeben? Es gibt so viele Menschen, die dieses Geld eher bräuchten.

Und außerdem: Wir Muslime lassen Moscheen mit Minaretten bauen und denken, unsere “Aufgaben als Muslime” seien damit erfüllt. Aber wichtiger als das, was man von uns als Muslime sieht, ist doch, was wir wissen und denken. Aber ob man nun den richtigen Islam kennt, ob man nun betet. Das ist scheinbar egal. Aber eine große Moschee haben wollen, das tun wir alle komischweise. Aber womit definiert sich der Islam? Mit großen Moscheen und Minaretten?- Nein, mit dem, was wir glauben. Also was ich wichtiger!? An seinem Glauben zu arbeiten oder Geld für große Moscheen zu sammeln!?

Zum Schluss vielleicht noch: Es gibt Menschen, die sagen, die großen Moscheen mit den riesen Minaretten (wobei der Kirchturm immer höher ist als das Minarett!) würden ihnen Angst machen. Und ich trage noch immer die Meinung, dass ich sage, dann sollen doch die anderen Religionsvertreter auch Türme bauen! Aber scheinbar scheint dies nicht zu helfen. Eine Bekannte sagte zu mir: “Wenn jemand Angst hat mit mir zu reden, weil ich Muslima bin und wir immer so große Moscheen und Minarette haben, die einem Angst einflößen, dann bin ich lieber gegen die großen Moscheen und die Minarette. Denn lieber habe ich es, dass die nichtmuslimischen Menschen in Ruhe mit mir reden können, als dass wir so große Moscheen besitzen. Das eine ist mir wichtiger als das andere.” Und da kann ich ihr nur Recht geben.

Minarett-Verbot.”Zum Schutz des Volkes”

2009 Dezember 1
von Canan Basol

Das Verbot der Minaretten in der Schweiz ist keine Handlung, die zum Schutz des Volkes durchgeführt wird, nein, hier ist Euphemismus im Spiel: Das Verbot umhüllt die Meinung, dass wir Muslime gefährlich und böse seien und dass wir am besten gleich gehen sollten.

Sultan Ahmet Moschee in Istanbul, Juli '09

Ich dachte in der Schweiz werden Begriffe wie Freiheit groß und fett geschrieben? – Oh tut mir leid, ich scheine mich getäuscht zu haben.

An diesem Verbot stören mich mehrere Dinge: Ich finde es erschreckend, wie ein Großteil der Bevölkerung in der Schweiz denkt und außerdem bereitet es mir mehr als Kopfschmerzen, wenn ich irgendwo lesen muss, die Minarette würden abgebaut werden, weil sie ein Zeichen des Terrors bzw. ein Zeichen der Macht seien. Also bitte! Erstens repräsentieren die Minarette bloß eine Moschee, ohne negative Hintergedanken (ehrlich!) und zweitens sollte man sich vielleicht erstmal mit dem Sinn und der Geschichte des Minaretts beschäftigen und nicht ahnungslos eine Meinung vertreten. Das ist meine Meinung! Denn wie sagt ein arabisches Sprichwort so schön: Wenn du sprichst, muss dein Sprechen besser sein als dein Schweigen gewesen wäre. Genau: Manchmal sollte man einfach mal schweigen!

Eveline Widmer-Schlumpf, Justizministerin der Schweiz, sagt, sie wolle betonen, dass die Abstimmung gegen den Minarettenbau keine Abstimmung gegen die Muslime oder den Islam selber sei, sondern gegen fundamentalistische Ausprägungen. Hm, wie war das noch gleich mit der Bedeutung des Minaretts?- Ah ja, stimmt, Minarette stehen für Fundamentalismus. Natürlich!

Verständlich finde ich eventuell, wenn jemand sagt, die Minarette würden gegenüber anderen Religionen, die keine derartige Präsenz besitzen, eine Art Macht ausstrahlen. Dann sage ich aber: Wer hindert denn die anderen Religionen daran sich zu präsentieren? – Na also. Niemand. Aber nein, stattdessen wird die Religion, die sich öffentlich macht, eingeschränkt.

Wir sprechen hier von Menschenrechten, von Religionsfreiheit! Was kommt als nächstes? Verbot des Moscheebesuches? Kopftuchverbot an Schulen? Selbst wenn nicht derartige Verbote folgen: Vorurteile und böse, rassistische Blicke verstecken sich in der Gesellschaft.

Opferfest 2009

2009 November 26
von Canan Basol

Richtig. Denn ab morgen feiern wir Muslime wieder vier Tage lang das alljährliche Opferfest im Islam. Nichts für Vegetarier, denn der Name sagtes bereits: Es wird geopfert. Nämlich Rinder, deren geschächtetes Fleisch dann an Verwandte, Bekannte oder Bedürftige verteil wird.

Wieso wir das machen? - Kurz zusammengefasst: Herzuleiten ist der Grund aus dem Leben des Propheten Ibrâhîm (zu Deutsch Abraham), der sich nichts mehr wünschte, als einen Sohn. Gott schenkte ihm einen Sohn und erfüllte ihm somit seinen größten Wunsch. Als Gott jedoch eines Tages von Ibrahim verlangte, seinen Sohn Ismail (zu deutsch: Ismael) zu opfern, um so dessen Vertrauen und Gottesfurcht zu testen, war dieser erst skeptisch, aber vertraute dann auf Gott und wollte seinen Sohn Ismail opfern. Dieser Opferbereitschaft wegen sorgte Gott dafür, dass das Messer nicht scharf genug war, um Ismail opfern zu können. Stattdessen opferte dann der Prophet Ibrahim ein Tier. An diesen Tag erinnert also unser Opferfest. An die Opferbereitschaft Ibrahims, an sein Vertrauen zu Gott. Dass er genau das zu opfern bereit war, was ihm am wichtigsten war, und zwar weil er seinem Schöpfer vertraute.

Auf diesem Wege allen Muslimen ein schönes Opferfest!

Projekt “Bildungspartner”

2009 November 17

Endlich ist es soweit: Auch in Neumünster startet nun das Projekt “Bildungspartner”, organisiert vom Migrationszentrum der Diakonie. Ziel ist es Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund bei einem besseren Schulabschluss und beim Einstieg in die Berufswelt behilflich zu sein. Besonders in Hamburg ist das Projek sehr stark und wir Neumünsteraner werden auch versuchen es so gut wie möglich zu nutzen. Wir Mentoren hatten am vergangenen Wochenende unser Mentorentraining, was uns noch größere Vorfreude auf das Projekt brachte. Die Tage werden wir nun also unsere Mentees zugeordnet bekommen und dann kann es endlich losgehen!

Er und ich.

2009 November 9
von Canan Basol

Er, der Mauerfall, und ich, Canan, sind nun ganze 20 Jahre alt geworden.

Yippie! Danke,danke und alles Gute uns :)

Erwähnenswertes…

2009 November 5
von Canan Basol

… Heute waren mein Religionskurs und ich in der Kirche. Uns wurde ein kleines Programm vorgestellt, in dem es darum ging zu vermitteln, welche Rolle Gedichte und Musik im Dritten Reich für die Menschen spielten. Und wurden ganz neue Seiten gezeigt, die wir vorher gar nicht kannten. Den Menschen damals waren Gedichte und Musik oftmals wichtiger als Brot, was wir uns wahrscheinlich hätten vor dem Vortrag heute gar nicht vorstellen können. War echt gut!

… Die Zeit vergeht so schnell! Wir haben schon November…!

… Meine Islambücher aus Ägypten sind da! So herrlich. Ich danke denen, die dies organisieren. Denn man bekommt kostenlos (!) Bücher aus Ägypten auf deutscher Sprache. Bei Interesse gebe ich euch gerne die Kontaktdaten.

Jugenddialog 2020- Aufregende Tage in NRW

2009 November 2
von Canan Basol

Am vergangenen Wochenende war es nun endlich soweit: Die Gruppe 4 des Jugenddialoges 2020, zu der auch ich gehöre, traf sich zum ersten Mal. CIMG6533Am Freitag fand die Auftaktveranstaltung des Projekts im Gebäude der Mercator-Stiftung in Essen statt und es waren Leute wie Rita Süßmuth, Armin Laschet und Daniel Zimmermann anwesend. Die Veranstaltung war toll organisiert und verschaffte uns einen Einblick auf das Projekt. Hinterher gab es ein Buffet und meine Gruppe und ich waren in Gespräche verwickelt. Noch kannte man sich kaum oder gar nicht.

Abends ging es dann endlich zusammen zur Wolfsburg in Mülheim an der Ruhr, in der unser eigentliches Treffen bis Sonntagmittag anhielt. Am Freitagabend stand glücklicherweise nichts Großartiges auf dem Programm und daher stillten wir unseren Hunger mit Pizza und Cola. CIMG6541Das von Tobias Düttmann, Projektreferent, vorbereitete Quiz wurde nicht ausgelassen. Fragen aus verschiedensten Bereichen der Allgemeinbildung sollten also unser Wissen testen. Wer gewann? – Die „G4“-Gruppe, die aus Julie, Silvia, Tobi und mir bestand. Danke Tobi für dein vieles Wissen! Der Abend war ein kleiner Vorgeschmack für das Programm am nächsten Tag: Es wurde diskutiert, gelacht und Meinungen wurden ausgetauscht.

Samstag ging es dann richtig los: Nach einer Kennenlernrunde (die letzte, aber nicht erste während des Wochenendes!) wurden stundenlange (!) Diskussionen geführt und Meinungen ausgetauscht. CIMG6570Am Abend konnten wir uns aber letztendlich auf ein Thema und ein Konzept einigen, mit dem jeder zufrieden war: „Zusammenleben“. Sonntag war erstmal verabschieden angesagt, aber im Januar geht es weiter. Und bis dahin wird online kommuniziert, ausgetauscht und gearbeitet.

Super Gruppe, super Moderatoren,  super Konzept: Lass euch überraschen!

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“Evet,ich will!”

2009 Oktober 21
von Canan Basol

Evet,ich will!Nachdem ich feststellte, dass ich seit seehr langer Zeit (!) nicht mehr im Kino war, beschlossen Anna und ich die deutsch-türkische Komödie “Evet,ich will!” keinesfalls im Kino zu verpassen. Gestern Abend machten wir es uns also in der Abendvorstellung bequem und waren überrascht, als außer uns nicht mehr als 10 (!) andere Leute im Kinosaal saßen. Dies schein seinen Grund zu haben: Der Film war wirklich nicht schlecht, aber ich hatte mir mehr erhofft. Anna und ich stellten fest, dass es ein Film ist, den man sich gerne mal zu Hause bequem auf der Couch ansieht, aber dass er zu “unlustig” ist, um ihn im Kino zu sehen. Schade, hätte ich doch bloß “Wüstenblume” gesehen.Na ja, kommt noch.

Also der Film hat uns eben leider nicht überrascht: Es kamen Themen im Film vor, mit denen man schon einigermaßen gerechnet hätte. Außer vielleicht mit dem schwulen Emrah. Aber im Groben wurden alle aktuellen Themen und Standpunkte angesprochen, die es momentan gibt: dass die türkischen Mädels leider nicht mehr so “lieb und unschuldig sind” (das türkische Mädchen im Film ist heimlich schwanger von ihrem farbigen Freund Eric und spielt neben ihren Eltern das unschuldige Lamm), dass es auch schwule Türken gibt (Emrah und Tim lieben sich eben), dass Kuren und Türken so einige Probleme miteinander haben (dabei lieben sich Coskun und Günay doch so sehr) und dass es leider immer noch (!) Türken gibt, die als Asyl in Deutschland leben und sich eine Frau suchen, die sie heiraten können,um in Deutschland zu bleiben.

An einigen Stellen konnten wir viel lachen, aber oft hat der “Lacheffekt” einfach gefehlt. Schade.